19. Spieltag – Club gegen Jahn Regensburg

Ich hatte ein schlechtes Gefühl. Kennt ihr das? So eine Gemengenlage aus Vorfreude, Aufregung und Unwohlsein. Als ich am Nachmittag im Büro saß, beschlich es mich ganz fies von hinten. Und das lag ausnahmsweise mal nicht an den Fürther Kollegen. Die sind im Moment (angenehm) still. Ein gewisses heimliches Grinsen werden sie sich spätestens nach dem Abpfiff unserer Partie gegen Aufsteiger Jahn Regensburg nicht verkniffen haben. Hätte ich an ihrer Stelle auch nicht.

Von meinen eigenen Freunden bin ich zudem heftig gerügt worden für meine Vorahnung. „Du wieder… schnell eine KWS (Kleine Wein Schorle, Anmerkung der Autorin  ) für dich, dass die Stimmung wieder steigt.“ Und: „4:1 für uns“, informierte mich Andi. Marco fügte ein „Mindestens“ hinzu und Andi wusste zudem, dass „3 Tore in der 2. Halbzeit fallen“, was Stefan mit „in der Nachspielzeit“ ergänzte. „Du wieder mit deinen Gefühlen“, echauffierte sich Klaus. Tja, wer solche Freunde hat, der hält auch die Fürther Kollegen aus…

Nein, ich hab sie freilich alle lieb und unser Geplänkel furchtbar vermisst. Als wir vor dem Spiel gemeinsam im Wanner saßen, war das wie Heim kommen. Wie hat mir der Glubb doch gefehlt! Endlich wieder Fußball, endlich wieder fachsimpeln mit den Freunden oder anderen Glubbfans, die man gar nicht kennt. Endlich wieder rumblödeln, schimpfen, träumen. Und planen. Die nächsten Auswärtsfahrten und den Aufstieg.

Stand ja jetzt in der Winterpause auch überall zu lesen. Der 1. FC Nürnberg ist erster Aufstiegsaspirant und Favorit bei den Wettanbietern. Immerhin haben wir uns mit drei Mann verstärkt, auch wenn Cedric Teuchert und Rurik Gislason unseren Glorreichen verlassen haben. Die Testspiele liefen gut, die Schotten schlug man gar mit 5:0.

Es war also alles bereitet, für einen schönen erfolgreichen Fußballabend. (Über einen Zweitliga-Start unter der Woche um 20.30 Uhr lasse ich mich an dieser Stelle nicht aus.)

Aber was, bitteschön, war das dann für ein Auftritt gestern Abend?

Es war eine der schlechtesten ersten Halbzeiten, die ich diese Saison von unseren Jungs gesehen habe. Auch wenn ich das Einsteigen der Regensburger teilweise als überhart empfand, und weit mehr als ein „aggressives Pressing“, so waren unsere Mannen doch völlig indisponiert. Fehlpässe und technische Fehler wie in den besten Schwartz-Zeiten. Der Pausenrückstand war völlig verdient. Auch wenn ich wirklich nicht verstehen konnte und kann, wie eine Mannschaft zwei so völlig verschiedene Gesichter haben kann. Einmal mit fußballerischer Klasse, Leidenschaft und Kampfgeist – und dann wieder fast schon lustlos und ängstlich mit individuellen und kollektiven Fehlern. Ist der Aufstiegsdruck auf das junge Team doch zu groß? Hatten gestern alle einen schwarzen Tag erwischt? Sogar Ewerton! Die ersten 45 Minuten waren wirklich kaum zum Anschauen. Dennoch: Die Pfiffe aus den eigenen Reihen konnte ich nicht nachvollziehen. Wozu ein ohnehin offensichtlich schon verunsichertes Team noch mehr runterziehen?

Die zweite Spielhälfte verlief dann wenigstens ein bisschen erfreulicher. Das absolute Highlight war natürlich das Tor von Edgar Salli. Ich habe mich wirklich aus tiefstem Herzen für ihn gefreut! Ob alle „Salli“-Rufe, die anschließend durchs Achteck schallten, aber tatsächlich ernst gemeint waren? Hoffentlich versteht der Kameruner fränkische Ironie nicht. Vielleicht ist jetzt tatsächlich der berühmte Knoten bei ihm geplatzt. Den Sieg-Treffer hatte er ja noch auf dem Fuß. Näher am Sieg waren am Ende aber wieder die Regensburger und letztendlich muss der Aufstiegsaspirant Nürnberg mit dem einen Punkt gegen Abstiegsaspirant Regensburg zufrieden sein.

Was für ein Glück, dass andere es auch nicht besser machen – um gleich mal allen „Der Glubb is a Debb“-Rufern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Kiel und Ingolstadt spielten ebenfalls unentschieden und wenn Düsseldorf heute verliert, sind die ersten drei der Tabelle sogar punktgleich. Immer noch also beste Voraussetzungen für den Aufstieg also. Ich habe ein gutes Gefühl!

 

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